Lothar Seiwert:
Ausgetickt
Lieber selbstbestimmt als fremdgesteuert
Abschied vom Zeitmanagement
320 Seiten, ISBN: 978-3-424-20058-4
Ariston Verlag 2011
Mit Spannung hatte ich das neue Buch vom “Zeitmanagement-Papst” Lothar Seiwert erwartet, dessen Bücher mich seit Jahren begleiten. Ob es am gleichen Lebensalter liegt oder am Zeitgeist, dass seine Bücher stets auch auf meine Situation zutreffen? Mit fast 60 weiß ich endlich, was mir viele Jahre Stress bereitet hat: Mehr zu arbeiten und etwas anderes zu tun, als ich eigentlich wollte. Und dazu den Druck auszuhalten, den andere erzeugten.
Lothar Seiwert nimmt mit diesem Buch Abschied vom Zeitmanagement, wie er sagt, weil für ihn eine neue Ära begonnen hat. War das Zeitmanagement in den früheren Jahren falsch oder sind wir nur inzwischen darüber hinaus gewachsen? Auch nach meinen Erfahrungen gilt, was Lothar Seiwert formuliert: “Es gibt nichts, was mehr Stress auslöst, als am falschen Ort zur falschen Zeit mit den falschen Dingen beschäftigt zu sein.”
Heutzutage erlebe ich besonders deutlich, wie die “jungen Leute” - meist in den Vierzigern - immer noch meinen, es müsse alles sofort noch gestern gehen, ohne Halt und Atemholen. Und wer nicht richtig “tickt”, dem wird solange Druck gemacht, bis er funktioniert oder aber krank wird. Nicht umsonst tritt das “Burnout-Syndrom” heute verstärkt in der Generation der Vierzig- bis Fünfzigjährigen auf.
Lothar Seiwerts neues Buch begründet für mich nicht einen “Abschied vom Zeitmanagement”, sondern eine ganz neue Art, mit unserer eigenen Lebenszeit umzugehen. Statt nach den Anforderungen anderer in Bezug auf Zeit, Ort und Inhalt unserer Arbeit richten wir uns einfach nur nach unserer eigenen inneren Uhr und unserem eigenen Empfinden, was wir tun möchten.
Das ist natürlich nicht auf jeden beliebigen Arbeitnehmer übertragbar, nicht jeder kann sich ohne Weiteres aus den Fesseln der Fremdbestimmtheit befreien. Und doch ist das die Lösung dafür, das eigene Lebensglück zu finden und trotz hoher Belastungen kreativ zu arbeiten und ein erfülltes Leben zu führen.
Ich habe mich gefreut, Lothar Seiwert in diesem Buch einmal etwas besser kennenzulernen. Was andere kritisieren, habe ich beim Lesen als besonderen Vorzug empfunden: Der Autor erzählt viel von sich und aus seinem Leben, oft anekdotenhaft und stets unterhaltsam. Und so erfahren wir auch, wie und warum er diesen Weg zum Zeitmanagement-Papst und nun zur Abkehr von seinen eigenen Zeitmanagement-Praxen gegangen ist.
Dieses Buch ist nun keineswegs nur ein Buch für die ältere Generation, die sich nicht nur vom Zeitmanagement, sondern auch weitgehend vom üblichen Berufsleben verabschiedet. Gerade jüngere Leser werden von diesem Buch profitieren: Denn man kann einen ungeliebten Job aufgeben, sogar eine Professur, wie der Autor das getan hat. Man kann eine ungeliebte Arbeit ablehnen oder sie so verändern, dass sie wieder Freude macht und keinen Stress.
Und man kann so mit seiner Zeit umgehen, dass jeder Tag ein sinnvoller Tag ist, denn jeder Tag könnte der letzte sein. Man kann sich frei machen von den Erwartungen und Ansprüchen anderer und auf seine eigene innere Stimme hören. Dann wird man auch die Lebensaufgabe finden, die man schon immer gesucht hat, und man wird im eigenen inneren Rhythmus ticken, um sich wirklich wohl zu fühlen.
Leben und Arbeit sind dann keine getrennten Bereiche mehr, man beginnt nicht mehr am Montag auf das Wochenende und im Januar auf den Sommerurlaub zu warten. So kann man sein Leben selbst in die Hand nehmen und eigene Prioritäten setzen. Auf diese Weise wird aus dem Zeitmanagement ein ganzheitliches Lebensmanagement!
Danke, Lothar Seiwert, für dieses inspirierende Buch!
Dr. Beate Forsbach
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