Margot Käßmann:
In der Mitte des Lebens
160 Seiten, ISBN 978-3-451-30201-5
Herder Verlag 2009
“50 - und definitiv zu alt für faule Kompromisse. Die Frage ist: Was war bis hierher? Und: Was habe ich noch vor?” so heißt es auf der Verlagsseite zu diesem Buch. Margot Käßmann war seit 1999 Landesbischöfin, erkrankte 2006 an Krebs, ließ sich nach 26-jähriger Ehe scheiden. Sie hat vier Töchter, und ihre Karriere wurde gekrönt von der Übernahme des Ratsvorsitzes der Evangelischen Kirche im Oktober 2009. Sie hat viele Höhen und Tiefen erlebt und bewältigt. Gestern trat sie von allen Kirchenämtern zurück, nachdem sie alkoholisiert Auto gefahren und beim Überfahren einer roten Ampel erwischt worden war.
Margot Käßmann blickt in ihrem Buch mit Gelassenheit und Leidenschaft auf ihr bisheriges Leben, sie schildert die harte und ebenso schöne Wirklichkeit. Sie nimmt zu allen Themen Stellung, die sich in der Mitte des Lebens als relevant erweisen: Jugendlichkeit und Älterwerden, Familie, Freundschaft und Alleinsein, Schönheit und Scheitern, Krankheit und Glück, Grenzen und Kraftquellen, Routine und Veränderung.
Insbesondere das Kapitel über ihre Erkrankung wirkt sehr authentisch. Es ist persönlich geschrieben und spricht den Leser unmittelbar an. Sie schreibt:
“Ich selbst habe Glück empfunden nach der Krebserkrankung. Dieses Gefühl: Ich bin noch am Leben! Die Dankbarkeit, bewahrt worden zu sein, die war groß.”
Und weiter:
“Heute habe ich die Balance wiedergefunden. Es hat ein paar Jahre gedauert, aber ich könnte heute wieder von mir sagen, dass ich glücklich bin. Auch das ist eine Erfahrung in der Mitte des Lebens: Du gehst durch tiefe Täler, aber du musst nicht unten bleiben, sondern du findest wieder einen Hügel, von dem aus du einen freien Blick über das Land hast.”
Hier beschreibt sie ihre Lebensphilosophie, die ihr auch in der augenblicklichen Krise helfen wird, bald wieder glücklich zu leben. Sie vermittelt Zuversicht und die Gewissheit, dass es jenseits der 50 für jeden möglich ist, ein selbst bestimmtes Leben voller Sinn und Glück zu führen. Ihre Lebenskunst basiert auf einem tiefen Glauben, der auch gestern in ihrer Rücktrittserklärung wieder deutlich wurde. Dort schloss sie mit den Worten:
“Zuallerletzt: Ich weiß aus vorangegangenen Krisen: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand, und für diese Glaubensüberzeugung bin ich auch heute dankbar.”
Das Buch gibt seinen Lesern, ganz besonders den Leserinnen in der zweiten Lebenshälfte viel Inspiration für ein gutes und glückliches Leben. Es vermittelt die Botschaft, dass man voller Kraft und Zuversicht älter werden kann, wenn man den Mut hat, sein Leben ohne faule Kompromisse, mit Rückgrat und Achtung vor sich selbst zu führen.
Unbedingt empfehlenswert!
Dr. Beate Forsbach
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