Ethnie, Bildung oder Bedeutung? Fächerübergreifender Musikunterricht
Jul 23

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Stefan Jäger:
Experimentelle Musik in der Hauptschule
Ausgewählte Ansätze für das Klassenmusizieren
Forum Musikpädagogik Band 83
204 Seiten, ISBN 9783896396211
Wißner Verlag 2007

Experimentelle Musik findet sich in den Lehrbüchern für den Musikunterricht vergleichsweise selten – zu schwierig scheint die Vermittlung an Jugendliche zu sein, zu wenig scheint experimentelle Musik für den Musiklehrer ein lohnenswertes Thema zu sein. In der Hauptschule scheint dieses Thema erst recht ein sehr schwieriges zu sein, denn in dieser Schulform ist nach allgemeiner Meinung der Musikunterricht an sich schwierig, so er denn überhaupt stattfindet.

Der Autor des vorliegenden Buches, Stefan Jäger, formuliert in seinem Vorwort keine derartigen Vorbehalte, sondern die Motivation, aus der die Idee zu seinem Buch entstand: „Schnebels Ideen der Klangerzeugung faszinierten mich, weil er in beiden Stücken gewöhnliche Alltagsgegenstände als Klangerzeuger einsetzt: Stühle und Münzen. Außerdem fand ich es bemerkenswert, dass der Komponist durch seine Art der Notation (teils herkömmlich, teils grafisch) zwar einerseits genau das Notierte vom Interpreten verlangt, andererseits jedoch genügend Freiräume schafft (siehe Solo-Teile in Zahlen für Münzen) um eigene Kreativität und Ideen entwickeln zu können.“

Aus der Erfahrung, dass es keine absolut „richtige“ Version bei der Aufführung dieser Musik gibt, kam er auf die Idee, solche Stücke experimenteller Musik im Musikunterricht der Grund- und Hauptschule zu erproben. Mit der Darstellung dieser von ihm erprobten Ansätze zum Klassenmusizieren schließt er eine Lücke in der musikpädagogischen und unterrichtspraktischen Literatur. In drei grundlegenden Kapiteln fasst er die wichtigsten Fakten zum Musiklernen durch Musikmachen, zum Klassenmusizieren und zum Experimentellen Musizieren zusammen. Im zweiten Teil der Arbeit stellt er vielfältige Kompositionen und Konzeptionen experimenteller Musik vor. Nach einer Analyse folgen jeweils konkrete Anregungen für den Musikunterricht mit methodischen und didaktischen Anmerkungen.

Neben seiner bemerkenswerten Detailkenntnis haben mich vor allem die unterrichtspraktischen Darstellungen beeindruckt, die den Autor als erfahrenen und begeisterten Musiklehrer an der „schwierigen Schulform“ Hauptschule ausweisen. Einer schwierigen Schülerklientel begegnet er mit einem schüler- und handlungsorientierten Musikunterricht, in dem experimentelle Musik sich als besonders geeignet für das Klassenmusizieren erweist.

Aus diesem Grund möchte ich dieses Buch jedem Musiklehrer empfehlen, auch wenn er in einer anderen Schulform der Sekundarstufen unterrichtet.

Dr. Beate Forsbach

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