Das große Buch über Fehmarn Leben allein genügt nicht
Mrz 22

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Christoph Hartlieb:
Wer älter wird …
80 Seiten, ISBN 978-3940490698
Deutsche Literaturgesellschaft 2010

„Dieses Buch enthält nicht die streng wissenschaftlichen Forschungsergebnisse eines Professors der Gerontologie, sondern Beobachtungen eines Beteiligten, in verschiedenen Situationen und damit auch aus verschiedenen Stimmungen heraus.” Das schreibt der Autor, ehemalige Oberstudienrat und Pfarrer Christoph Hartlieb, Jahrgang 1934, im Vorwort zu seinem neuen Buch.

„Wer älter wird …” - so beginnt jedes der 20 Kapitel in Reimform, in denen Christoph Hartlieb authentisch beschreibt, wie es ihm beim Älterwerden ergangen ist. Mal heiter, mal eher besinnlich und nachdenklich, so nimmt er sich viele wichtige Themen vor: Ob es um das Altern allgemein geht, um Beschwerden und Jammern, um die Vergesslichkeit, um Sex, um Brillen, Gebisse und andere Ersatzteile, oder aber um Aspekte der Lebensphilosophie wie Fragen und Widersprüche, Umwege, Trennungen, die Zeit oder das Lebensrisiko - immer liest man die Betrachtungen des Autors einerseits mit Vergnügen, andererseits aber mit ein wenig Schrecken vor den realistisch dargestellten Problemen beim Altwerden.

Der Autor, der sich als ernsten Menschen bezeichnet, der gerne lacht, macht uns aber die unliebsamen Seiten des Älterwerdens durchaus schmackhaft, denn es kann ihnen sowieso keiner entkommen. Er sagt, dass der Humor ihn oft vor dem Schlimmsten gerettet habe. Der Autor liebt nicht nur die Gedichte Homers, sonder schätzt auch Wilhelm Busch, Erich Kästner, Eugen Roth, Joachim Ringelnatz und Kurt Tucholski. Gelernt hat er auch von diesen Meistern der Reimkunst, das spürt man auf jeder Seite seines Buches.

Und so habe ich das ganze Buch mit wachsendem Vergnügen gelesen, und ich habe es bewundert, wie der Autor nach der Schilderung schlimmer Dinge immer wieder zu den versöhnlichen Aspekten des Alterns gelangt. Als Beispiel sei der Abschluss des Kapitels „Lebensrisiko“, in dem die Gefahren des Lebens beschrieben werden, zitiert:

„Drum iss und trink, sei guten Mutes,
genieß das Leben und tu Gutes.
Vielleicht erreichst Du ganz bequem
das Alter von Methusalem.
Sei nicht so missgelaunt und knurr‘g.
Wie oft setzt sich das Leben durch!
Gibt‘s nicht gewisses Risiko,
wärst du des Lebens auch nicht froh
und würdst, zur Freude deiner Erben,
verfrüht an Langeweile sterben.“

Ein anregendes und unterhaltsames Buch über das Älterwerden, dass auch jüngeren Lesern viel geben kann!

Dr. Beate Forsbach

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2 Antworten zu “Wer älter wird …”

  1. Apelt Angela sagt:

    20 köstliche Gedichte-Leckerbissen um die Gedanken, Probleme doch auch über die Leichtigkeit des Seins, diese humoristisch zu verabreiten.
    “Wer älter wird” von Christoph Hartlieb. Einfach köstlich!
    Der Verfasser studierte Latein und Griechisch, sowie Psychologie. Er war stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen, Aufgaben und Erkenntnissen.
    So zog es ihn nach Holland, Spanien, Italien und Schweden, Stockholm wo er heute lebt und vielen Menschen in der Deutschen Gemeinde dort, keine Unbekannter ist.
    Seine ursprüngliche Tätigkeit, die eines Oberstudienrates, doch seine wahre Berufung ist die eines Pfarrers, in diesen beiden Berufen hat sich bei ihm eine scharfe Beobachtungsgabe und tiefsinnige Neigung zur Analyse sowie zur These und Antithese herauskristallisiert.
    Er hat die Gabe, sich wie ein Pfadfinder durch die Landschaft des menschlichen Inneren zu nähern.
    Der Autor versucht auf humoristische Weise, in der er seine Reimkunst fantasievoll verarbeitet, mit nicht verletzenden Worten Klärung zu schaffen um den “Patienten” zur Einsicht zu führen, dass es keinen Weg des Entkommens gibt: Das Leben ist a priori begrenzt und Endlich.
    Diese Erkenntnis ist grausam, fast schon sadistisch, wenn man sich im Alter 50+befindet, wenn immer mehr Zeichen dafür auftauchen, dass es manchmal sehr neblig und herbstlich ringsherum sein kann.
    Wie ein Schneemann in der Frühlingssonne schmilzt es dahin, das Leben.
    Diese Erfahrungen und Beobachtungen, sind dem Autor Christoph Hartlieb, einmal mehr gelungen auf humorvolle Weise spielerisch, in Versform in seine Gedichte einzuweben, dem Leser an den Memento mori zu erinnern, geschickt vor Augen zu führen.
    Seine “Fallbeschreibungen” erüllen den Zweck, die Leser zum Nachdenken zu mahnen, die Lebenslust trotz des Alterns nicht zu verlieren. Da und Da bieten sich Gelegenheiten, zum Schmunzeln, Lachen, schöne Augenblicke, greift sie!
    Die Fanatsie lässt keine Wünsche offen, lässt hoffen. Zum Erüllen musst du selbst beitragen!
    Vieles mag im Grenzland zwischen Wunschdenken und Selbsterkenntnis im Grenzland von gerontologischen Studien, bis hin zur Frivolität offen liegen, doch der Dichter nutzt gekonnt jede erdenkliche Freiheit in seiner Katharsis.
    Ein Buch was ich empfehlen kann, was nachdenklich stimmt, zum Lachen anregt, auch Bilanz zu ziehen, für sich selbst, sind Wünsche in Erfüllung gegangen, haben wir genug an uns gedacht? Fragen die sich einen 50ig+ Zeitgenossen stellen. An Aktuallietät nie verlieren.
    Doch beantworten muss sie jeder für sich selbst.
    Folgen wir dem Bespiel des Autors, nehmen wir das Leben, den Herbst des Lebens mit einer gesunden Portion Humor, blicken nach vorn.
    Ein nettes Geschenk für ihre Lieben und für sich selbst, graue Stunden zu überbrücken.
    Angela Apelt

  2. Dr. Beate Forsbach sagt:

    Danke, liebe Angela Apelt,
    für Ihren Kommentar, der ja fast schon eine eigene Rezension ist.
    Ich freue mich, wenn Christophs Buch so viel Zuspruch bekommt!
    Viele Grüße
    Beate Forsbach

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