Bert Gerhardt:
Internet und Musikunterricht
Bestandsaufnahme und Perspektiven
Forum Musikpädagogik Band 64
226 Seiten, ISBN 9783896394422
Wißner Verlag 2004
Musiklehrer nutzen den Computer vorwiegend netzunabhängig als Instrument zur MIDI- und Audio-Verarbeitung, sie komponieren, arrangieren und schreiben Noten für den Musikunterricht. Dies spiegelt sich auch in den Themen der meisten musikpädagogischen Veröffentlichungen und Fortbildungsveranstaltungen wider. Dagegen werden die neuen Möglichkeiten des Internet, also weltweite Vernetzung, Informationsbeschaffung und Datenaustausch, verschiedene Formen der Interaktion und Kommunikation sowie neue Präsentationsformen im Musikunterricht noch viel zu wenig berücksichtigt.
Bert Gerhardt, Musiklehrer, Multimediaberater und Projektleiter der Online-Datenbank für den Musikunterricht http://schulmusiker.info hat mit seinem Buch „Internet und Musikunterricht“ eine Lücke in der musikpädagogischen Literatur geschlossen. Im einleitenden Teil seiner Dissertation reflektiert er die musikpädagogischen Konsequenzen der Entstehung und Ausbreitung des Internet als einer primär technischen und gesellschaftlichen Entwicklung. Im Kern seiner Arbeit steht die Frage zur Diskussion, ob das Internet ein Medium des Musikunterrichts ist und sein soll. Und hier ist es sehr beeindruckend, die umfangreichen Analysen von Auffassungen und Meinungen von Musiklehrern in der Praxis zu lesen.
An einer Fragebogenaktion nahmen über 200 Musiklehrer teil, die sich zu einzelnen Aspekten der Internetnutzung im Musikunterricht äußerten. Außerdem wurden Leitfrageninterviews mit sieben unterschiedlichen Typen von Musiklehrern durchgeführt: Der Begeisterte, der Skeptische, der Pragmatische, der Nüchterne, der Offene, der Professionelle und der Praktische beschreiben ihre Erfahrungen und Erwartungen in Bezug auf die Neuen Medien, nehmen Stellung zu Themen, Zielen und Methoden, zu Organisationsformen und Modellen für die Internetnutzung sowie zu deren Stellenwert im Musikunterricht.
Mit diesen hochinteressant zu lesenden Untersuchungen hat der Autor ein Buch geschaffen, das neben dem wissenschaftlichen Anspruch auch die Interessen der Lehrer in der Schulpraxis berücksichtigt. Sie erhalten einen Überblick über die Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung des Internet im Musikunterricht und bekommen gleichzeitig Informationen und Anregungen zur Bewertung vorhandener Argumentationen und Modelle. Leider ist noch kein musikpädagogischer Grundkonsens der Musiklehrerschaft erkennbar, aber es steht fest, dass der Musikunterricht für viele Schüler interessanter werden könnte, wenn mehr Unterricht mit dem Computer stattfinden würde. Angesichts der derzeitigen Krise des Musikunterrichts ist dieses Buch daher jedem Musiklehrer an Herz zu legen. Die Musiklehrer vor Ort mit ihren Erfahrungen und Wünschen sind nicht nur der zentrale Ausgangspunkt dieser Untersuchung, sondern auch das Ziel. Für sie werden neue Perspektiven für den Musikunterricht der Zukunft aufgezeigt.
Sehr empfehlenswert für jeden Musiklehrer!
Dr. Beate Forsbach
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