Jul 21

die-schule-neu-machen-2.jpg

Rainer Winkel:
Die Schule neu machen
Glanz und Elend einer Schulgründung oder: Aus dem Tagebuch des Gründungsdirektors
Teil 2: Ausgestaltung und Konsolidierung
348 Seiten, ISBN 9783834005410
Schneider Verlag 2009

Der bekannte Berliner Erziehungswissenschaftler Rainer Winkel legt nach seiner “Theorie und Praxis der Schule” (1997) und einer “Theorie und Praxis der Bildung” (2005) nunmehr sein (vorerst) letztes wissenschaftliches Werk vor: Der Titel „Die Schule neu machen“ betont nicht nur die geistige Verwandtschaft zu „Die Schule neu denken“ von Hartmut von Hentig, dessen Nachfolger als Leiter der Bielefelder Laborschule Rainer Winkel beinahe einmal geworden wäre. Vor allem weist er darauf hin, dass der Professor vor einigen Jahren seinen Lehrstuhl verließ, um sich ganz der Schulpraxis zu widmen, eben die Schule neu zu machen: Er wurde Gründungsdirektor der neu errichteten Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen, die er zusammen mit dem Gründungskollegium mehr als fünf Jahre pädagogisch und didaktisch geleitet hat.

Seine Erfahrungen während dieser bewegten Jahre hielt er in 30 Schultagebüchern fest, die man in der Berliner „Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung“ im Original einsehen kann. Diese einmalige Chronik einer Schulgründung bildet die Grundlage der dreibändigen Geschichte einer Reformschule, deren erster Band im Jahre 2008 erschienen ist.

Im vorliegenden zweiten Band scheinen Optimismus und Euphorie der Gründungsjahre dieser außergewöhnlichen Schule zunächst verflogen. Im Vorwort erfährt man vieles, was einen ahnen lässt, dass der Schulleiter eines nicht allzu fernen Tages die Schule wieder verlassen würde. Zwar geht es in diesem Band um die Ausgestaltung und Konsolidierung der jungen Schule, aber es ist keine reine Erfolgsgeschichte, die hier geschrieben wird. Es geht vor allem um Schwierigkeiten und Risse beim Aufbau der Schule, aber auch um die Erfolge und Tragfähigkeiten. Wir erfahren, dass Erfolg und Misserfolg, Anregendes und Abschreckendes, Glanz und Elend in dieser Phase von 1 1/2 Schuljahren zwar noch vorhanden sind, aber Erfolg, Anregendes und Glanz abnehmen, während Misserfolg, Abschreckendes und Elend schließlich dominieren würden. Davon wird im dritten Band der Schulgeschichte zu lesen sein.

Aufgrund dieser Vorankündigung liest man doppelt aufmerksam und findet bereits im Vorwort Hinweise auf ganz erhebliche Widerstände beim und Konflikte mit dem Schulträger, der Evangelischen Kirche von Westfalen. Es werden rechtliche Konsequenzen angekündigt, denn der ehemalige Schulleiter hat im ersten Band seiner Dokumentation viele dienstliche Vorgänge geschildert und mit den entsprechenden dienstlichen Schriftstücken und seinen Aufzeichnungen über dienstliche Vorgänge veröffentlicht. Zwar waren die Namen abgekürzt, aber jeder „Insider“ würde wohl alle Dokumente einordnen und bewerten können. Als Konsequenz werden nun im zweiten Band alle Namen durch eckige Klammern und Pünktchen ersetzt, die Lehrer bekommen Nummern, die Schüler Phantasienamen. Der Autor schreibt, dass er zudem auf die Schilderung von Konflikten, Misslichkeiten und Auseinandersetzungen verzichtet habe. Trotzdem werden in dem Buch viele negative Ereignisse beschrieben, vor allem aber finden sich negative Gefühle zwischen den Zeilen und offen dargelegt.

Ein Leser, der den staatlichen Schulbetrieb gut kennt, wird doch manches Mal den Kopf schütteln über all die Ungereimtheiten, die hier berichtet werden. Man kann ahnen, was den Schulleiter schließlich bewogen hat, aufzugeben und wieder an die Universität zurück zu kehren. Schade ist es aber, dass Leser, die noch voller pädagogischem Enthusiasmus und am Beginn ihrer Laufbahn sind, durch den teilweise resignativen Tonfall entmutigt werden könnten. Auch wenn die immer wieder eingestreuten Diskussionen des Praktikers und leidenschaftlichen Pädagogen Rainer Winkel mit dem Theoretiker und Wissenschaftler, dem kritischen Professor, durchaus sehr lehrreich sind.

Wie im ersten Band der Trilogie finden sich Presseartikel, Fotos, Programme und vor allem die äußerst lesenswerten Tagebuchnotizen von Rainer Winkel. Man ist betroffen und wird nachdenklich, wenn von menschlichen Tragödien, wie dem Tod eines Lehrers und eines Schulaufsichtsbeamten berichtet wird. Und man wünscht dem Autor dieses Buches, dem engagierten Reformpädagogen Rainer Winkel, dass er nun, in seinem Ruhestand, endlich zu den drei Tugenden findet, die er zu Beginn des dritten Schuljahres als Überlebensstrategien für sich beschrieben hat: Geduld, Gelassenheit und die Fähigkeit, Grenzen zu akzeptieren, die jedem gegeben sind.

Ich würde hinzufügen: Grenzen akzeptieren, die dem deutschen Schulsystem im 21. Jahrhundert gegeben sind, und zudem: Die Fähigkeit, denen zu vergeben, die es vielleicht nicht besser wussten. Vielleicht kann der ehemalige Schulleiter dann seinen eigenen Frieden finden. Vielleicht schreibt er dann über all das Gute, das er an und mit dieser Schule erlebt hat, noch einmal eines seiner mitreißenden Bücher, mit denen er schon immer junge Lehrer und engagierte Pädagogen begeistern konnte. Ich würde es mir wünschen.

Dr. Beate Forsbach

Links:

Bei Amazon bestellen:’

Jul 04

kommunikationfamilie.jpg

Christa D. Schäfer:
Kommunikation in der Familie:
Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch
156 Seiten, ISBN 978-3-8340-0470-3
Schneider Verlag Hohengehren 2009

Dr. Christa D. Schäfer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Möglichkeiten der Mediation. Sie leitet Kurse und Workshops für Schüler, Lehrer, Manager und Juristen.

Nun wendet sie sich der Kommunikation und Konfliktlösung in Familien zu. Denn Probleme und Konflikte lassen sich leichter lösen, wenn die Mütter und Väter mit den wichtigsten Regeln der Kommunikation und Mediation vertraut sind. Nach ihrem einführenden Ratgeber Kommunikations- und Konfliktmanagement für Eltern legt Christa Schäfer nun ein weiteres Buch vor, das aus ihren Kursen zum “Runden Tisch” entstanden ist.

Nach einigen Informationen zum “Zusammenleben in der Famlie” erklärt die Autorin theoretische Grundlagen und gibt viele Beispiele aus dem Alltag dazu, wie “aktives Zuhören” das Zusammenleben erleichtert und wie die Kommunikation zwischen Konfrontation und Anerkennung am besten zu gestalten ist. Schließlich wird die Methode des “Runden Tisches” ausführlich erläutert und dem Leser durch lebendig geschilderte Beispiele nahe gebracht.

Christa Schäfer hat ihr Buch in verständlicher Sprache formuliert, sie bringt die Grundlagen der Kommunikationstheorie auch denjenigen Eltern nahe, die keine entsprechenden Kurse besucht haben. Viele praktische Übungen sowie kleine Bildgeschichten lockern den Text auf, machen ihn verständlicher und somit auch für die Praxis des Zusammenlebens in der Familie gut anwendbar.

Im letzten Teile finden sich Kurzbiographien wichtiger Pädagogen mit einer Inhaltsangabe ihrer wichtigsten Werke, außerdem ein übersichtliches Verzeichnis geeigneter Literatur zum Thema.

Wer nach der Lektüre des Buches Lust bekommen hat, mehr über diese Methoden der Kommunikation und Konfliktlösung in der Familie zu erfahren, dem seien die Kurse der Autorin im MediationsZentrum Berlin empfohlen.

Sehr empfehlenswert für alle Eltern, aber auch für Großeltern, Onkel und Tanten, Nachbarn und Lehrer.

Dr. Beate Forsbach

Links:

Bei Amazon bestellen:

Aug 27

erziehungsberatung.jpg

Georg Hörmann, Wilhelm Körner (Hrsg.):
Einführung in die Erziehungsberatung
280 Seiten, ISBN 978-3170187337
Kohlhammer Verlag 2007

Prof. Dr. mult. Georg Hörmann hat den Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik an der Universität Bamberg, er ist Pädagoge, Psychologe, Musiktherapeut und Mediziner. Zusammen mit Dr. Wilhelm Körner, dem Leiter einer Erziehungsberatungsstelle, hat er dieses interessante Buch zur Erziehungsberatung geschrieben.

„Im letzten Jahrzehnt ist die Zahl der ratsuchenden Eltern, die eine Erziehungsberatungsstelle aufsuchen, sprunghaft gestiegen. Darin spiegelt sich die schwieriger gewordene Lebenssituation der Familien, die für die Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme professionelle Unterstützung suchen. Das Buch erörtert zunächst die Strukturmerkmale der Erziehungsberatung zwischen Therapie und Jugendhilfe. Es stellt dann die Konzepte und Methoden der Erziehungsberatung in den Mittelpunkt. Das Buch geht anschließend ausführlich auf die Erziehungsberatung bei unterschiedlichen Problemlagen ein: von der Beratung bei Armut und Migration, schulischen Lern- und Leistungsproblemen bis hin zur Beratung bei häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch.“ (Umschlagtext)

Inhaltsverzeichnis:
I Allgemeiner Teil
Erziehungsberatung: Strömungen, Entwicklungen und Standortbestimmung der institutionellen Beratung in der Jugendhilfe
Rechtliche Rahmenbedingungen der Erziehungsberatung
Interinstitutionelle Kooperation als Handlungsprinzip der Erziehungsberatung
Verhaltensabweichungen zwischen Medikalisierung und Therapeutisierung
Esoterikboom: Geschäft mit der Kinderpsyche?
Beratung und Gender-Mainstreaming
II Konzepte und Methoden in der Erziehungsberatung
Diagnostische Verfahren
Grundorientierungen in der Erziehungsberatung
Gruppenverfahren in der Erziehungsberatung
Mediation bei Familienkonflikten
Erziehungsberatung online
Stärkung der Erziehungskompetenz durch Elternbildung Qualitätssicherung in der Beratung
III Anwendungsbereiche
Lern-, Leistungs-, Teilleistungsschwierigkeiten
Beratung armer Familien
Beratung von MigrantInnen
Erziehungsberatung bei chronischer Krankheit/Behinderung
Gewalt in Familien

Links:

Bei Amazon bestellen:

Aug 26

leistung-und-beurteilung.jpg

Eiko Jürgens:
Leistung und Beurteilung in der Schule
Eine Einführung in Leistungs- und Bewertungsfragen aus pädagogischer Sicht
6., aktualisierte und stark erweiterte Auflage.
198 Seiten, ISBN 9783896653611
Academia Verlag 2005

Leistung und Beurteilung sind untrennbar mit Schule und Unterricht verbunden. Jeder Lehrer muss sich immer wieder neu mit den Fragen und Problemen der Leistungsbeurteilung auseinander setzen, vor allem, wenn er neue Unterrichtsformen erprobt.

Eiko Jürgens will mit dem vorliegenden Buch einen grundlegenden Überblick über die wichtigsten Fragen der schulischen Leistungsbeurteilung geben, und außerdem zur vertiefenden Beschäftigung mit den verschiedenen Problemfeldern anregen. Das Buch erschien 1992 zum ersten Mal, und liegt nun bereits in der sechsten aktualisierten und stark erweiterten Auflage vor. Es ist inzwischen zum Standardwerk in der Aus- und Fortbildung der Lehrer aller Schulformen geworden.

Die verschiedenen Formen der Leistungsbewertung werden übersichtlich und verständlich dargestellt, in einem gesonderten Kapitel werden auch Beurteilungstendenzen und –fehler thematisiert. Zu den neueren Formen der Beurteilung wie Wortgutachten, Lernberichte und zensurenfreie Zeugnisse werden nützliche Informationen und Tipps für die Praxis gegeben. Erstmalig gibt es in dieser Auflage Ausführungen zum Lern- und Leistungsjournal sowie zum Portfoliokonzept. Damit werden wichtige Hilfen für die Beurteilung der Leistungen in offenen Unterrichtsformen gegeben.

Sehr empfehlenswert für jeden Lehrer und den, der es werden will!

Dr. Beate Forsbach

Links:

Bei Amazon bestellen:

 

Aug 26

neue-reformpadagogik.jpg

Eiko Jürgens:
Die ‘neue’ Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht
Theorie, Praxis und Forschungslage
165 Seiten, ISBN 9783896653239
Academia Verlag 2004

Leider ist Offener Unterricht in den Schulen immer noch nicht die Regel – obwohl schon seit Jahrzehnten eine Öffnung des Unterrichts und eine stärkere Schülerorientierung gefordert werden. Es sind inzwischen viele Unterrichtskonzepte entwickelt und erfolgreich durchgeführt worden, die vom Schülerinteresse ausgehen und das selbstständige Lernen in den Mittelpunkt stellen. Trotzdem haben sich solche Konzepte noch nicht überall im Schulalltag durchgesetzt. Das liegt nicht nur, aber auch daran, dass solche Konzepte in der Lehrerausbildung zu wenig thematisiert werden.

Eiko Jürgens will mit dem vorliegenden Buch sowohl über den Stand der wissenschaftlichen Diskussion um den Offenen Unterricht informieren, als auch praktische Hilfen bei der Anwendung von Wochenplanarbeit, Freiarbeit, Projektunterricht und Stationenlernen im Schulalltag anbieten. Diese gelungene Verbindung von Theorie und Praxis eignet sich vor allem für die Lehrerausbildung, bietet aber auch Lehrern in der Praxis wertvolle Hilfen. Besonders das Kapitel zum Verhältnis von Offenem Unterricht und Schülerinteresse ist geeignet, auch diejenigen Lehrer zu überzeugen, die bisher den offenen Unterrichtsformen eher ablehnend gegenüber standen.

Im Buch werden die theoretischen Grundlagen übersichtlich und verständlich präsentiert. Die Formen des Offenen Unterrichts – Freiarbeit, Wochenplanarbeit, Projektunterricht und Stationenlernen – werden jeweils ausführlich dargestellt, wobei neben dem historischen Bezug und der Begriffsklärung sehr hilfreiche Hinweise für die praktische Umsetzung gegeben werden.

Sehr empfehlenswert für jeden Lehrer und den, der es werden will!

Dr. Beate Forsbach

Links:

Bei Amazon bestellen: