Aug 26

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Eiko Jürgens:
Die ‘neue’ Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht
Theorie, Praxis und Forschungslage
165 Seiten, ISBN 9783896653239
Academia Verlag 2004

Leider ist Offener Unterricht in den Schulen immer noch nicht die Regel – obwohl schon seit Jahrzehnten eine Öffnung des Unterrichts und eine stärkere Schülerorientierung gefordert werden. Es sind inzwischen viele Unterrichtskonzepte entwickelt und erfolgreich durchgeführt worden, die vom Schülerinteresse ausgehen und das selbstständige Lernen in den Mittelpunkt stellen. Trotzdem haben sich solche Konzepte noch nicht überall im Schulalltag durchgesetzt. Das liegt nicht nur, aber auch daran, dass solche Konzepte in der Lehrerausbildung zu wenig thematisiert werden.

Eiko Jürgens will mit dem vorliegenden Buch sowohl über den Stand der wissenschaftlichen Diskussion um den Offenen Unterricht informieren, als auch praktische Hilfen bei der Anwendung von Wochenplanarbeit, Freiarbeit, Projektunterricht und Stationenlernen im Schulalltag anbieten. Diese gelungene Verbindung von Theorie und Praxis eignet sich vor allem für die Lehrerausbildung, bietet aber auch Lehrern in der Praxis wertvolle Hilfen. Besonders das Kapitel zum Verhältnis von Offenem Unterricht und Schülerinteresse ist geeignet, auch diejenigen Lehrer zu überzeugen, die bisher den offenen Unterrichtsformen eher ablehnend gegenüber standen.

Im Buch werden die theoretischen Grundlagen übersichtlich und verständlich präsentiert. Die Formen des Offenen Unterrichts – Freiarbeit, Wochenplanarbeit, Projektunterricht und Stationenlernen – werden jeweils ausführlich dargestellt, wobei neben dem historischen Bezug und der Begriffsklärung sehr hilfreiche Hinweise für die praktische Umsetzung gegeben werden.

Sehr empfehlenswert für jeden Lehrer und den, der es werden will!

Dr. Beate Forsbach

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Aug 20

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Rainer Winkel:
Die Schule neu machen
Glanz und Elend einer Schulgründung oder: Aus dem Tagebuch des Gründungsdirektors
356 Seiten, ISBN 9783834003256
Schneider Verlag 2008

Der bekannte Berliner Erziehungswissenschaftler Rainer Winkel legt nach seiner “Theorie und Praxis der Schule” (1997) und einer “Theorie und Praxis der Bildung” (2005) nunmehr den ersten Teil seines (vorerst) letzten wissenschaftlichen Werkes vor: Der Titel „Die Schule neu machen“ betont nicht nur die geistige Verwandtschaft zu „Die Schule neu denken“ von Hartmut von Hentig, dessen Nachfolger als Leiter der Bielefelder Laborschule Rainer Winkel beinahe einmal geworden wäre. Vor allem weist er darauf hin, dass der Professor vor einigen Jahren seinen Lehrstuhl verließ, um sich ganz der Schulpraxis zu widmen, eben die Schule neu zu machen: Er wurde Gründungsdirektor der neu errichteten Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen, die er zusammen mit dem Gründungskollegium mehr als fünf Jahre pädagogisch und didaktisch geleitet hat.

Seine Erfahrungen während dieser bewegten Jahre hielt er in 30 Schultagebüchern fest, die man in der Berliner „Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung“ im Original einsehen kann. Diese einmalige Chronik einer Schulgründung bildet die Grundlage der dreibändigen Geschichte einer Reformschule, deren erster Band jetzt erschienen ist.

Wer den Schulleiter und die Schule kennt, hat dieses Buch sicher voller Spannung erwartet. Zu viel wurde erzählt und berichtet, zu viel drang aber auch nicht an die Öffentlichkeit von all dem, was den Schulleiter schließlich bewogen hat, aufzugeben und wieder an die Universität zurück zu kehren. Wer in diesen bewegten Gründungsjahren direkt dabei war, hat hier eine sorgfältig aufbereitete Dokumentation, dazu die Kommentare des Praktikers Rainer Winkel in seiner Funktion als Lehrer, Gründungsdirektor, Schulleiter, Tagebuchschreiber, der oft mit dem Theoretiker Rainer Winkel diskutiert, dem Professor, Kritiker, Wissenschaftler. Nur die „Insider“ werden wohl alle Dokumente einordnen und bewerten können, denn es werden Briefe, Protokolle, dienstliche Beurteilungen, Stellenangebote, Disziplinarmaßnahmen, Elternbriefe, Zeugnisse, Lernberichte und vieles mehr wörtlich wiedergegeben, wobei die Namen allerdings abgekürzt sind. Ergänzt wird dies durch Presseartikel, Fotos, Programme und vor allem die äußerst lesenswerten Tagebuchnotizen von Rainer Winkel. Durch diese Fülle und Vielfalt der Inhalte wird das Buch auch für Leser interessant, die die Schule nicht kennen, vor allem für Lehrer, die schon mal beim Aufbau einer Schule dabei waren oder einmal dabei sein möchten.

Dr. Beate Forsbach

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Aug 20

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Ulf Mühlhausen:
Schüleraktivierung im Schulalltag
Ungewöhnliche Unterrichtsmethoden in der Sekundarstufe
Begleit-DVD mit 10 Hannoveraner Unterrichtsbildern
190 Seiten, ISBN 9783834003218
Schneider Verlag 2008

Leider ist Unterricht, bei dem die Schüler über einen längeren Zeitraum intensiv mitarbeiten, in den Schulen immer noch nicht die Regel – obwohl schon seit Jahrzehnten eine Öffnung des Unterrichts und eine stärkere Schülerorientierung gefordert werden. Es sind inzwischen viele Unterrichtskonzepte entwickelt und erfolgreich durchgeführt worden, die das selbstständige, die Eigenaktivität der Schüler fördernde Lernen in den Mittelpunkt stellen. Trotzdem haben sich solche Konzepte noch nicht überall im Schulalltag durchgesetzt. Das liegt nicht nur, aber auch daran, dass solche Konzepte in der Lehrerausbildung zu wenig thematisiert werden.

Ulf Mühlhausen will mit dem vorliegenden Buch erreichen, dass Schüleraktivierung im Schulalltag nicht mehr die Ausnahme ist. Er hat 10 Unterrichtsvorhaben in verschiedenen Fächern (neun aus der Sekundarstufe I, eines aus der Sekundarstufe II) zusammengestellt, in denen eher ungewöhnliche Konzepte und Methoden angewendet werden. Die Schüler waren dadurch zu einer längeren selbstständigen Arbeit zu motivieren, die sich positiv auf die Lernergebnisse ausgewirkt haben.
Diese Unterrichtsbeispiele werden auf der beigefügten DVD dokumentiert, es gibt Videos, Audiodateien, Fotos, Abbildungen und Textdokumente, auf die man am PC zugreifen kann.

Nach einer Probierphase (die Erklärungen halfen mir nicht so sehr) kam ich dann in das gut gestaltete Haupt-Menu, in dem 10 Unterrichtseinheiten verzeichnet sind. Zu jeder Unterrichtseinheit gibt es die Unter-Menus „Vorbereitung, Verlauf, Ergebnisse, Theoretischer Kontext, Analyse, Ihre eigenen Gedanken“. Im letzten Menupunkt kann der Benutzer seine eigenen Kommentare aufschreiben, die, wenn er sie an den Autor schickt, in der nächsten Version der DVD eingebaut werden. Besonders interessant sind natürlich die Live-Mitschnitte des Unterrichts, die denjenigen Lehrern zu verdanken sind, eine konsequente Öffnung ihres Unterrichts praktizieren.

Im Buch werden die theoretischen Grundlagen übersichtlich und verständlich präsentiert, die Unterrichtsbeispiele ausführlich dokumentiert. Eine überzeugende Sammlung von guten Anregungen für den schüleraktivierenden Unterricht, die sich auch in anderen als den genannten Fächern umsetzen lassen.

Sehr empfehlenswert für jeden Lehrer und den, der es werden will!

Dr. Beate Forsbach

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Jul 13

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Christa D. Schäfer:
Wege zur Lösung von Unterrichtsstörungen
Jugendliche verstehen - Schule verändern
380 Seiten, ISBN 9783834001443
Schneider Verlag Hohengehren 2006

Kennen Sie das auch? Gut gelaunt und vorbereitet betreten Sie den Klassenraum Ihrer Klasse 8c. Doch bei der totalen Unruhe ist an Unterricht gar nicht zu denken. Als Klassenlehrerin möchten Sie die unterschriebenen Zeugnisse kontrollieren, den nächsten Ausflug vorbereiten und im Unterrichtsstoff weiter arbeiten. Doch viele Schüler scheinen sehr schusselig zu sein, die Besprechungen ziehen sich unnötig in die Länge. Und dann die beiden Jungen, die ständig stören …

Solche und andere Fallgeschichten aus dem Alltag in verschiedenen achten Klassen an Berliner Schulen beschreibt Christa D. Schäfer in ihrem Buch „Wege zur Lösung von Unterrichtsstörungen“. Während andere thematisch ähnliche Bücher vor allem Handlungsstrategien für Lehrer anbieten, um Konflikte im Klassenzimmer zu lösen, geht es in diesem Buch darum, die vielfältigen Ursachen der Unterrichtsstörungen zu beschreiben und entsprechende Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Die Autorin hat die betreffenden Schüler in ihren Klassen wie auch die Lehrer eingehend beobachtet und ausführliche Störprofile erstellt. Zur Entwicklung von Ursachenprofilen hat sie alle verfügbaren Informationen über die Familie, den Unterricht, die Lehrerpersönlichkeiten und die Persönlichkeitsaspekte des störenden Schülers zusammengestellt und interpretiert. In ihrer Darstellung wird eine große Liebe zu den störenden Schülern deutlich, aber auch ein starkes Mitgefühl mit den teilweise schwierigen Lehrern, die durch ihr Verhalten und ihren Unterrichtsstil manche Störungen erst verursachen. Und genau das macht die Autorin sympathisch und ihr Buch sehr lesenswert für jeden Lehrer.

Mit diesem Buch hat Christa D. Schäfer eine große Lücke in der Fachliteratur zum Thema Unterrichtsstörungen geschlossen. Denn mit ihren detaillierten Fallbeschreibungen schildert sie die Unterrichtswirklichkeit in allen Facetten lebendig und anschaulich, so dass das Buch teilweise unterhaltsam und spannend zu lesen ist. Dabei besticht die klare und einfache Sprache, die sowohl dem ungeübten als auch dem professionellen Leser die entscheidenden Fakten eindrücklich vermittelt. Die wissenschaftlichen Grundlagen ihrer Ausführungen kann man bei Interesse auf der Homepage der Autorin www.ChSchaefer.de ausführlich nachlesen.

Wer hofft, eine „schnelle Lösung“ für die Unterrichtsstörungen in seiner Klasse 8c zu finden, wird zunächst enttäuscht sein. Gewonnen hat der Leser auf jeden Fall einen Zuwachs an Problembewusstsein und Verständnis für störende Schüler, schwierige Klassen und problematische Lehrer. Außerdem werden als Lösungswege – wie es der Titel der Buches verspricht – Aspekte einer Schulreform skizziert, die im Bild von der „Schule als Haus des Lebens und Lernens“ zusammengefasst sind. Ein sehr empfehlenswertes Buch auch für denjenigen Lehrer, der keine Unterrichtsstörungen hat oder zu haben glaubt!

Dr. Beate Forsbach

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Jun 23

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Sylvia Englert:
Die neue Wörterwerkstatt
Tipps für Jugendliche, die gern schreiben
300 Seiten, ISBN 9783866710269
Autorenhaus Verlag 2007

Schreiben ist für die meisten Jugendlichen ein seltsames Hobby: Da sitzt man allein vor dem Computer oder einem Notizbuch, hängt das Schild „Bitte nicht stören“ an die Tür und erfindet Geschichten oder Gedichte, schreibt für Zeitschriften oder erfindet Hörspiele, Drehbücher oder Theaterstücke.

Auch wenn mancher Deutschlehrer es nicht ahnt: Fast in jeder Klasse gibt es Schüler mit diesem seltsamen Hobby.So gibt Sylvia Englert in ihrem Buch „Die neue Wörterwerkstatt“ den Jugendlichen u.a. auch Antworten auf die Frage „Soll ich meinem Deutschlehrer sagen, dass ich schreibe?“ Einerseits kann der Deutschlehrer ein guter Mentor für schreibende Jugendliche sein, andererseits hört man aber auch immer wieder von Autoren, die trotz schlechter Deutschnoten gute Schriftsteller geworden sind.

So richtet sich das vorliegende Buch auch nicht vorrangig an Lehrer, sondern gibt Jugendlichen, die gerne schreiben, vielfältige Ratschläge und Hilfen für ihr Hobby. Dabei ist der Stil sachlich ansprechend wie anspruchsvoll, und auch mancher erwachsene Hobby-Schriftsteller wird davon profitieren können. Jedes Genre wird ausführlich erläutert, und neben praktischen Ratschlägen zu Stil und Sprache gibt es ausführliche Kapitel zu den wichtigsten Problemen der jungen Schriftsteller sowie zu der Frage, wie man das Schreiben zum Beruf machen kann.

Dieses Buch sollte jeder Deutschlehrer kennen, um es seinen interessierten Schüler für den privaten Gebrauch empfehlen zu können. Noch besser wäre es, im Deutschunterricht zum Schreiben anzuregen, Schreib-Workshops in der Schule anzubieten oder einen Schreibwettbewerb durchzuführen. Die „neue Wörterwerkstatt“ wird dabei gute Dienste leisten.

Unbedingt zu empfehlen für jeden (Deutsch-)Lehrer!

Dr. Beate Forsbach

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